Ein gewaltiger Sprung für die Menschheit
Als Neil Armstrong vor über dreißig Jahren als erster Mensch den Mond betrat, hatte Amerika nicht nur einen technischen, sondern auch einen politischen Sieg errungen.
Die Raumfahrt als neue Herausforderung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entbrannte zwischen den beiden politischen Systemen ein Konflikt, der als „Kalter Krieg“ in die Geschichte eingegangen ist. Die neuen Weltmächte USA und UdSSR strebten nach wirtschaftlicher und militärischer Stärke sowie nach Prestige. Somit wurde die Entwicklung der Raketentechnik und Raumfahrt zu einer neuen Herausforderung für beide Supermächte.
Im Jahre 1945 holten die Amerikaner den deutschen Raketeningenieur Wernher von Braun zu sich. Er hatte drei Jahre zuvor die erste funktionstüchtige Großrakete vom Typ A 4 in Peenemünde gestartet, die als Vergeltungswaffe V 2 bekannt geworden ist. Von Braun wurde Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung für Raumfahrt in Redstone (New Mexiko). Die Amerikaner waren sich ziemlich sicher, noch vor den Sowjets den Weltraum zu erobern.
Der Sputnik-Schock
Doch am 4. Oktober 1957 geschah das Unfassbare: Die UdSSR schickte den ersten Raumflugkörper der Welt, den Sputnik 1, in eine Erdumlaufbahn. Dies traf die Amerikaner wie ein Schock. Noch im gleichen Jahr umkreiste Sputnik 2 mit der Polarhündin Laika an Bord die Erde. Im Jahre 1959 erreichte die sowjetische Sonde Lunik 2 den Erdmond. Nachdem Juri Gagarin am 12. April 1961 als erster Mensch die Erde umkreist hatte, war der technische Fortschritt der vermeintlich rückständigen Russen gegenüber den stolzen Amerikanern nicht mehr zu leugnen.
Doch der neue amerikanische Präsident John F. Kennedy wollte der Welt beweisen, dass sein Land nicht länger die Nummer zwei bei der Eroberung des Kosmos bleiben würde. In seiner Regierungserklärung kündigte er an, dass die Vereinigten Staaten noch während seiner Amtszeit einen Menschen auf den Mond schicken und sicher zur Erde zurück bringen könnten. Von einer bemannten Mondmission waren beide Weltmächte aber noch weit entfernt.
Die Voraussetzungen für eine Mondmission
Der Mond umkreist die Erde in einem mittleren Abstand von 384.000 Kilometern. Er ist nur ein Fünftel so groß wie unser Heimatplanet und hat damit eine entsprechend geringere Anziehungskraft. Daher kann er keine Atmosphäre halten, sodass der Temperaturunterschied zwischen der Tag- und Nachtseite mehr als zweihundert Grad Celsius beträgt. Jeder Meteorit kann ungebremst auf die Oberfläche einschlagen. Deshalb ist der Erdmond äußerst lebensfeindlich.
Ein Raumflugkörper muss auf eine Geschwindigkeit von mindestens elf Kilometern in der Sekunde beschleunigt werden, damit dieser den Erdmond erreichen kann. Um auf seine Oberfläche zu gelangen, müssen die Astronauten in eine Landefähre umsteigen, die vom Raumschiff abgekoppelt und nach der Rückkehr wieder angedockt wird. Doch bis Mitte der sechziger Jahre konnten die bemannten Raumschiffe beider Supermächte aber lediglich die Erde umkreisen und noch keine Kopplungsmanöver ausführen.
Das sowjetische Mondlandeprogramm
Die UdSSR entwickelte einen neuen Typen von bemannten Raumschiffen, die für Kopplungen im All geeignet waren. Doch der Absturz von Sojus 1 am 24. April 1967, bei dem Oberst Wladimir Komarov tödlich verunglückte, beendete die Erfolgsserie der sowjetischen Raumfahrt. Erst zwei Jahre später gelangen den Sowjets die ersten erfolgreichen Kopplungsmanöver im Weltall.
Auf Grund der schweren Kriegsschäden und der horrenden Ausgaben für den Verteidigungshaushalt steckte die sowjetische Wirtschaft in einer tiefen Krise, die sich drastisch auf die Versorgung der Bevölkerung auswirkte. Doch die UdSSR war auf neue, große Erfolge angewiesen, nachdem sie sich mit der gewaltsamen Zerschlagung von demokratischen Aufständen in einigen osteuropäischen Ländern weltweite Kritik eingehandelt hatte. Somit wurde per Ukas eine baldige Mondlandung angeordnet. Der Kreml bewilligte mehrere Milliarden Rubel für die Entwicklung der Raumfahrt.
Unter strengster Geheimhaltung konstruierten sowjetische Wissenschaftler und Ingenieure eine Mondlandefähre. Doch bis Ende der sechziger Jahre fehlte ihnen eine leistungsstarke Trägerrakete. Die erste Großrakete vom Typ Gigant, aus dem Jahre 1969, explodierte bereits kurz nach dem Start. Es folgten zwei weitere Fehlstarts. Da der Rückstand gegenüber den Amerikanern ganz offensichtlich nicht mehr aufzuholen war, stellte die Sowjetunion ihr Mondlandeprogramm ein und ließ in der internationalen Presse verkünden, dass nie die Absicht bestanden hätte, einen Menschen auf den Mond zu schicken.
Erst nach dem Ende des Kalten Krieges gab die GUS offiziell bekannt, dass die damalige Sowjetunion einen Menschen auf den Mond schicken wollte. Ihre Raumfähre kann heute auf der ständigen Allunions-Ausstellung in Moskau besichtigt werden.
Der amerikanische Weg zum Mond
Da die konkurrierenden Weltmächte ihre Forschungsergebnisse untereinander nicht austauschten, mussten die sich Amerikaner alle Voraus-setzungen für eine Mondlandung selbst erarbeiten.
Am 20. Februar 1962 umkreiste Oberstleutnant John Glenn mit einer kleinen Mercury-Kapsel als erster Amerikaner die Erde. Mit den beiden darauf folgenden bemannten Missionen wurde bewiesen, dass der Mensch die Schwerelosigkeit ertragen und in diesem Zustand auch essen, trinken und schlafen kann.
In den nächsten Jahren wurden Kopplungsmanöver zwischen den zweisitzigen Raumschiffen vom Typ Gemini und unbemannten Satelliten der Serie Agenda im erdnahen Raum erprobt. Die Aufenthaltsdauer der Astronauten im Weltraum wurde kontinuierlich auf 14 Tage verlängert. Ende 1966 wurde das Gemini-Programm erfolgreich abgeschlossen.
Die neuen Raumschiffe des Typs Apollo sind für drei Besatzungsmitglieder bestimmt gewesen und waren für Missionen außerhalb der Erdumlaufbahn vorgesehen. Inzwischen ist von den Amerikanern auch eine Mondlandefähre entwickelt worden, die zu Beginn des Apollo-Programms jedoch noch nicht testbereit war.
Aber auch die amerikanische Raumfahrt blieb vor Rückschlägen nicht bewahrt. Im Januar 1967 brach während einer Übung in der Kapsel von Apollo 1 ein Feuer aus, dem drei Astronauten zum Opfer fielen. Das Vertrauen in die neue Technik war dadurch so zerstört worden, dass die NASA erst anderthalb Jahre später einen bemannten Weltraumflug wagte.
Am 21. Dezember 1968 startete Apollo 8 mit einer Trägerrakete Saturn 5. Diese war mit ihrer Gesamthöhe von 111 Metern und einem Schub von 3.400 Tonnen weltweit die einzige Rakete, die ein bemanntes Raumschiff in eine Mondumlaufbahn bringen konnte. Sie wurde unter Leitung von Wernher von Braun entwickelt. Am Heiligabend näherte sich Apollo 8 der Mondoberfläche bis auf einhundert Kilometer. Für Amerika ging damit ein erfolgreiches Jahr im Kosmos zu Ende.
Auf der Erde konnten die Vereinigten Staaten jedoch weniger Erfolge vorweisen. Blutige Rassenunruhen und weltweite Proteste gegen den Vietnamkrieg erschütterten das Land.
Im März 1969 testete das Team von Apollo 9 die erste Mondlandefähre im erdnahen Raum. Die Landeeinheit war nur für den Einsatz im Vakuum vorgesehen und dementsprechend leicht gebaut worden. Die Außenhaut bestand aus wenigen Lagen Aluminiumfolie und die beiden Astronauten konnten sich in der kleinen Kabine nur stehend aufhalten.
Zwei Monate später flog Apollo 10 mit einer Landefähre zum Erdtrabanten. Diese wurde in der Mondumlaufbahn vom Apollo-Raumschiff abgekoppelt und näherte sich der Mondoberfläche bis auf 15 Kilometer.
Amerika war bereit für eine Mondlandung.
Landung im „Meer der Ruhe“
Am 16. Juli 1969 startete Apollo 11 von Cape Kennedy. An Bord waren der Kommandant Neil Armstrong, Edwin „Buzz“ Aldrin und Michael Collins. Alle drei Astronauten hatten sich bereits als Kampfflieger bei den US-Streitkräften und auf Gemini-Missionen bewährt.
Vier Tage nach dem Start schwenkte Apollo 11 in die Mondumlaufbahn ein. Armstrong und sein Pilot Aldrin stiegen in die Landefähre Eagle um und trennten sich vom Raumschiff. Michael Collins umkreiste den Mond allein weiter. Zweieinhalb Stunden später landeten die beiden Astronauten weich im „Meer der Ruhe“. Nach einer mehrstündigen, technisch bedingten Pause stieg Armstrong aus der Mondlandefähre aus und setzte als erster Mensch seinen Fuß auf einen anderen Himmelskörper.
„Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit“, sagte er dazu.
Amerika hatte den Wettlauf zum Mond gewonnen.
Keine weiteren Mondlandungen
Der wissenschaftliche Nutzen der Mondlandungen blieb, im Verhältnis zu deren Kosten, sehr begrenzt. Auf dem Erdtrabanten gibt es zwar große Lagerstätten Eisen, Aluminium und Titan, deren Abbau sich aber selbst in den nächsten drei Jahrzehnten nicht rentieren würde. So wurden im Jahre 1972 die bemannten Mondmissionen eingestellt.
In einer Fernsehsendung zum Thema Mondlandung zog der NASA-Experte Jesco von Putkammer eine ernüchternde Bilanz:
„Das Apollo-Programm ist seiner Zeit weit voraus gewesen. Wir hätten zuerst eine Raumstation entwickeln müssen, von der man aus zum Mond und später vielleicht sogar zum Mars hätte fliegen können.“